Ein anderer Ort, das selbe Desaster.

Es ist 9:00 morgens, als die Fähre nach 12 Stunden Fahrt endlich den Hafen von Mytilini erreicht. Neugierig und ein wenig müde schaue ich mich um. Eine hübsche, recht touristische, kleine griechische Hafenstadt – ganz normal eigentlich. Doch was habe ich erwartet? Im Oktober, zu der Zeit als wir in Thessaloniki gearbeitet haben, sind monatlich noch knapp 3.000 Menschen auftun griechischen Inseln angekommen (Quelle: UNHCR*). Jetzt ist es kälter, das Wetter wird schlechter, doch die Boote stranden immer noch. 698 Flüchtende erreichten die Inseln allein seit Beginn dieses Jahres (Quelle: UNHCR, Stand 17.01.2017). Dadurch lässt sich erahnen, dass sie Situation hier nochmal komplett andere Eindrücke birgt, als die der Camps in Nordgriechenland. Die Menschen die in durchnässten Klamotten aus den kleinen Schlauchbooten steigen und dann in Lagern und Squats auf ihre Interviews warten befinden sich in einem ganz anderen Abschnitt ihrer Flucht. Ein weiter Weg liegt vor ihnen. „Ein anderer Ort, das selbe Desaster.“ weiterlesen

Gespräche, Gedanken und …Veränderung?

„Und, wie war es in Griechenland?“ Ich schlucke. Ein Kloß bildet sich in meinem Hals und lässt alle Worte irgendwie schwer, irgendwie kratzig klingen. Ich überlege, versuche Worte zu finden, stottere irgendwas und weiß nicht genau, was ich darauf antworten soll. Toll? Schrecklich? Beeindruckend? Auf jeden Fall viel zu viele Eindrücke um davon wie von einem Urlaub erzählen zu können. Zurück hier in Potsdam, im Alltag anzukommen, damit hatte jede*r von uns auf seine ganz eigene Art erstmal zu kämpfen. Manche von uns schafften es schneller, wieder in den gewohnten Umgebungen, Gedanken und Gesprächen Fuß zu fassen, andere brauchten ein oder zwei Wochen um nicht noch jede Situation mit der, der Menschen im Camp zu vergleichen. „Gespräche, Gedanken und …Veränderung?“ weiterlesen

und jetzt?

Ein Update und noch ein paar der wichtigsten Eindrücke, die uns noch lange lange im Kopf bleiben werden:

– DIE SCHULE –

Auch unser letzter Schultag findet nicht in dem Schulraum, sondern in einem anderen großen, sehr ungemütlichen Zelt statt. Es hatte geregnet. Eigentlich schon vor ein paar Tagen, doch der Boden ist immer noch überflutet und um das Dach der Schule reparieren zu können fehlten uns während unseres Aufenthaltes die Materialien und leider auch die Zeit. Im Zelt ist es viel unruhiger. Kinder laufen hindurch, lenken die Lernenden ab und machen Späße mit und über uns. In den letzten Wochen kamen immer weniger Schüler*innen zum Unterricht. Wir fragen uns immer noch, ob das an uns liegt, an der frühen Uhrzeit oder doch an dem Versprechen, „und jetzt?“ weiterlesen

große Augen, laute Münder, warme Füße

Beim Blogschreiben setzt sich Dina* ganz ruhig neben mich und in meinem Skizzenbuch entsteht: Eine Prinzessin
Beim Blogschreiben setzt sich Dina* ganz ruhig neben mich an den großen Metalltisch und in meinem Skizzenbuch entsteht: Eine Prinzessin

In den Gängen zwischen den Zeltwänden, zwischen Pfützen und stinkenden Dixi-Klos, hört und sieht man überall Kinder. Die meisten sind  – und tragen Klamotten, die dünner sind als sie sein sollten. Es wird gerauft, geschrien, Fangen gespielt und sich geärgert. Sie bringen so viel Freude und Energie in das Lagerleben. Wenn eine von uns durchs Camp läuft, dauert es meist nicht lang, bis sich eine kleine Hand in deine schiebt, du von unten groß und auffordernd angeschaut wirst, mit in die Höhe gestreckten Armen. Dass man eigentlich gerade arbeiten muss, wird nicht im geringsten beachtet.  „große Augen, laute Münder, warme Füße“ weiterlesen

geschlossene Grenzen und offene Fragen

Es ist Nacht, im Bus ist es kalt und schon vor einer guten Weile mussten alle Reisenden ihre Ausweise abgeben. Der Busfahrer winkt uns nach draußen und wir müssen als Deutsche zu einem anderen Schalter als die anderen. Insgesamt dreimal wurden unsere Ausweise gescheckt, der Bus ausgeräumt, durchgeschaut und wieder eingeräumt.

Für uns einfach eine nervige Prozedur, doch für Menschen auf der Flucht ein kaum überwindbares Hindernis auf dem Weg in den Norden von Europa. „geschlossene Grenzen und offene Fragen“ weiterlesen

Eine Geschichte von müden Füßen und Bildern aus Ölfarbe

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Die Frau aus A11 ist eine talentierte Künstlerin. Sie Zeigt uns Bilder aus Öl- und Wasserfarben und ihre Tochter erzählt. – © Zozan

Nada wurde eines Nachts  inmitten des Krieges geboren. Zozan gebar ihr Kind notgedrungen mit Hilfe einer Freundin zuhause, denn das Krankenhaus in Aleppo gab es längst nicht mehr. Genau wie die Schule, und unzählige Heimaten wurde es von Bomben zerstört. Bei Nadas Geburt konnte sein Vater nicht anwesend sein, denn dieser musste mit ein paar anderen Männern in eine andere Stadt fahren, um für die ganze Familie Brot zu besorgen. Im ganzen Ort gab es keines mehr.
Wenige Monate später zog die Familie weg aus Aleppo, zu den Großeltern in ein kurdisches Dorf, wo der Krieg ein Stückchen weniger zu spüren war. Ohne den Vater. Der machte sich auf nach Europa, um Sicherheit und Frieden zu suchen. „Eine Geschichte von müden Füßen und Bildern aus Ölfarbe“ weiterlesen

Warten, ewiges Hoffen und ein Besuch

Vor ein paar Tagen kam ein Mann zusammen mit seinem ältesten Sohn in das Lager in KALOCHORI. Aber nur zu Besuch, denn die beiden wohnen schon seit drei Jahren in Bochum. Der Rest der Familie lebt noch im Lager. Sie warten auf ihr zweites Interview mit Aussicht auf  Asyl in Deutschland. Wartezeiten bestimmen hier das Leben der Flüchtenden. Das ist etwas, was wir nun verstehen. In IDOMENI waren zwar die Umstände teilweise zwar noch notdürftiger, dafür war in den Köpfen der Menschen noch Hoffnung und der Glaube daran bald nach Europa, in Sicherheit zu gelangen. Mit jedem Monat des Wartens mehr wird die Hoffnung immer kleiner. Ungewissheit wandelt sich zu Frustration. „Warten, ewiges Hoffen und ein Besuch“ weiterlesen

… und das Frauenprojekt?

Die Situation am Anfang stellte sich als anders heraus,  als eigentlich gedacht. Hier gibt es einfach zu viele  Baustellen um überhaupt so schnell an neue denken zu können. Die erste Woche, voll gepackt mit Kennenlernen, Einfinden, Kleidung sortieren, Distribution, Bauplänen, Unterrichten etc. ging vorbei wie im Flug und wir dachten nur: Wo ist die ganze Zeit abgeblieben? Jetzt sind bereits drei volle Wochen verstrichen, und für die meisten von uns geht es bald wieder zurück nach Deutschland… Einige Fragen sich vielleicht, was aus dem Frauenprojekt geworden ist – Ein Vorhaben mit welchem wir uns eigentlich auf den Weg gemacht haben. „… und das Frauenprojekt?“ weiterlesen