Eine Geschichte von müden Füßen und Bildern aus Ölfarbe

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Die Frau aus A11 ist eine talentierte Künstlerin. Sie Zeigt uns Bilder aus Öl- und Wasserfarben und ihre Tochter erzählt. – © Zozan

Nada wurde eines Nachts  inmitten des Krieges geboren. Zozan gebar ihr Kind notgedrungen mit Hilfe einer Freundin zuhause, denn das Krankenhaus in Aleppo gab es längst nicht mehr. Genau wie die Schule, und unzählige Heimaten wurde es von Bomben zerstört. Bei Nadas Geburt konnte sein Vater nicht anwesend sein, denn dieser musste mit ein paar anderen Männern in eine andere Stadt fahren, um für die ganze Familie Brot zu besorgen. Im ganzen Ort gab es keines mehr.
Wenige Monate später zog die Familie weg aus Aleppo, zu den Großeltern in ein kurdisches Dorf, wo der Krieg ein Stückchen weniger zu spüren war. Ohne den Vater. Der machte sich auf nach Europa, um Sicherheit und Frieden zu suchen. „Eine Geschichte von müden Füßen und Bildern aus Ölfarbe“ weiterlesen

Warten, ewiges Hoffen und ein Besuch

Vor ein paar Tagen kam ein Mann zusammen mit seinem ältesten Sohn in das Lager in KALOCHORI. Aber nur zu Besuch, denn die beiden wohnen schon seit drei Jahren in Bochum. Der Rest der Familie lebt noch im Lager. Sie warten auf ihr zweites Interview mit Aussicht auf  Asyl in Deutschland. Wartezeiten bestimmen hier das Leben der Flüchtenden. Das ist etwas, was wir nun verstehen. In IDOMENI waren zwar die Umstände teilweise zwar noch notdürftiger, dafür war in den Köpfen der Menschen noch Hoffnung und der Glaube daran bald nach Europa, in Sicherheit zu gelangen. Mit jedem Monat des Wartens mehr wird die Hoffnung immer kleiner. Ungewissheit wandelt sich zu Frustration. „Warten, ewiges Hoffen und ein Besuch“ weiterlesen

… und das Frauenprojekt?

Die Situation am Anfang stellte sich als anders heraus,  als eigentlich gedacht. Hier gibt es einfach zu viele  Baustellen um überhaupt so schnell an neue denken zu können. Die erste Woche, voll gepackt mit Kennenlernen, Einfinden, Kleidung sortieren, Distribution, Bauplänen, Unterrichten etc. ging vorbei wie im Flug und wir dachten nur: Wo ist die ganze Zeit abgeblieben? Jetzt sind bereits drei volle Wochen verstrichen, und für die meisten von uns geht es bald wieder zurück nach Deutschland… Einige Fragen sich vielleicht, was aus dem Frauenprojekt geworden ist – Ein Vorhaben mit welchem wir uns eigentlich auf den Weg gemacht haben. „… und das Frauenprojekt?“ weiterlesen

Gemüse in Kisten, Kleidung in Müllsäcken

„Fast!“, sagt Diane, „You take the bags, throw them into the tents and leave. just leave. We’ll go home quickly afterwards, okay?“ Die blauen Müllsäcke stehen schon seit einer gefühlten Ewigkeit in dem vom MIlitär abgetrennten Bereich bereit. Diane überarbeitet noch einmal alle Listen und Zahlen der Zelte und deren Bewohner*innen. In der Zeit warten wir darauf Milch, Zucker, Gemüse und endlich auch die Klamotten zu verteilen, die wir im Warehouse sortiert, gezählt und zusammengepackt haben. Dieser Vorgang allein, „Gemüse in Kisten, Kleidung in Müllsäcken“ weiterlesen

Von brennenden Mülltonnen und staubigen Zelten

Direkt beim Ankommen merkt man schon: Das Lager ist viel größer als das in KALOCHORI, in dem wir uns inzwischen schon einen guten Überblick verschafft haben. Hier stehen die meisten Zelte draußen. Solche, die überdacht sind, stehen in einer Lagerhalle, die eher an eine Ruine erinnert als an ein standfestes Haus für knapp 100 Zelte. Die einst grünen Stoffbahnen der Zelte sind ausgeblichen von der Sonne, die auch heute Mittag gnadenlos auf unsere Köpfe brennt. Das Lager ist umzäunt von Stacheldraht und der Boden ist staubig, so wie alles hier zu sein scheint. Immerhin besser als Regenwetter, denn für die äußeren Zelte gibt es überhaupt keinen Regenschutz. Man kann sich vorstellen, wie unangenehm der Winter hier werden wird. Am Eingang: „Von brennenden Mülltonnen und staubigen Zelten“ weiterlesen

Papier, Stifte und Pfützen

Wahid, athnan, thlath… eins, zwei, drei und los gehts…. Ein paar Brocken Arabisch können wir in Gesprächen zwischen Flüchtenden und Helfenden aufschnappen, einige Vokabeln lernen wir aus Wörterbüchern, doch überwiegend geschieht Kommunikation hier durch Gesten, Tonfall und Lächeln. Die meisten Erwachsenen können nur wenig oder sehr brüchiges Englisch. Manche sprechen Kurdisch, die meisten Arabisch. Am Besten verständigen können sich hier allerdings die Kinder. „My Friend, give me this!!“dazu ein fordernder, frecher Blick und eine ausgestreckte kleine Hand.  Obwohl viele der Kinder seit über fünf Jahren keine Schule mehr besucht haben,

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Schuhe, Stapel und Kartons

Es sind die letzten Tage im September und morgens ist es inzwischen manchmal so kalt, dass wir zum Frühstück mehrere Schichten Kleidung übereinander tragen müssen, um nicht zu frieren. Die meisten Menschen in den Lagern laufen immer noch in Sandalen und kurzen Hosen herum. Im Gegensatz zu uns leben sie praktisch im Freien und haben keine Türen und Fenster, die sie schließen können um Privatsphäre aber auch um einen warmen Raum zu schaffen. Der Wind und der Regen kommen durch die kaputten Tore und das beschädigte Dach auch in die Halle. Ohnehin sind deshalb und wegen der fehlenden medizinischen Versorgung schon viele krank. Diese Menschen brauchen wärmende Kleidung, sonst wird es in den kommenden Monaten kaum aushaltbar sein.

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Lächeln, Regen

Camp-Koordinatorin für Kalochori und unsere Ansprechpartnerin gab un sam ersten Tag einen Einblick in ihre Arbeit und die aktuelle Lage im Lager
Diane gibt uns einen Einblick in ihre Arbeit und die aktuelle Lage im Lager – © Anne Isensee, 2016

Mit unterschiedlichen Erwartungen sind wir heute zum ersten Mal in das Lager in Kalochori gefahren, um uns erstmal einen Überblick verschaffen zu können. Es regnete. Zwar nicht in Strömen, doch genug, dass das Wasser durch die  provisorisch aufgespannten Schatten- & Regen-Einrichtungen auf die Zelte und den Boden tropft. Einige Zelte sah man schon von Weitem. Sie stehen vor der riesigen Lagerhalle auf dem Steinboden, weil der Patz in ihr nicht ausreicht. Wie zu erwarten war, reihen sich in der Halle die Zelte dicht an dicht. Hier ist es zwar etwas wärmer, doch selbst durch das Hallendach tropft der Regen an mehreren Stellen. Der Unterrichtsraum ist zu dieser Jahreszeit permanent unter Wasser, Kinder springen barfuß durch Pfützen, Schuhe und warme Kleidung sind rar und die an einigen Stellen eingetretenen Wände erzählen von Frustration, Ungeduld und Schmerz der Flüchtenden. Der Winter steht vor der Tür. Dazu kommt, dass die Flüchtenden kürzlich die Termine für die Beantragung ihrer Asylanträge bekommen haben: Viele müssen nur für dieses erste Gespräch länger als ein halbes Jahr warten.
Um die vielen Ideen und Träume der ehrenamtlichen Camp-Koordinatorin Diane in reale Projekte umzusetzen fehlt es vor allem an Freiwilligen, aber auch an Geldern. Diese werden immer weniger, unter anderem „weil die Medien nicht mehr darüber berichten“, erklärt uns Diane. Momentan leben 470 Menschen in dem Lager, davon sind 220 Kinder unter 15 Jahren. Es fühlt sich sehr richtig an hier zu sein, morgen geht es endlich los. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Tagen mehr zu berichten und dort anzupacken, wo alles nach Hilfe schreit!

Über das Nurture Project

Bereits während unserer ersten Reise nach Nordgriechenland Anfang Juni 2016 haben wir das Nurture Project International (NPI) kennengelernt und uns entschieden, die von uns gesammelten Spenden an diese NGO zu geben. Der Kontakt kam über das Orgabüro im Parkhotel in Polykastro zustande, dort haben wir uns auch an einem schönen Vormittag mit Emma, einer Mitarbeiterin des NPI, zusammengesetzt. Sie berichtete von der unglücklichen Lage ihrer Zielgruppe, den Frauen in den Lagern, die schwanger oder kürzlich Mütter geworden sind. Insbesondere Krankenschwestern und Hebammen werden dringend für freiwillige Mitarbeit in verschiedenen Lagern benötigt, auch in anderen Ländern. „Über das Nurture Project“ weiterlesen

Lebensbedingungen von Menschen auf der Flucht in Nordgriechenland

Wir von Potsdam-Konvoi sind vor einigen Wochen aus dem griechisch-mazedonischen Grenzgebiet zurückgekehrt. In den inoffiziellen Camps sowie in einigen Militärlagern haben wir die Flüchtenden vor Ort mit Nahrung, Kleidung und medizinischer Versorgung unterstützt. Die unwürdigen Lebensbedingungen haben uns sehr betroffen gemacht. Es handelt sich bei den offiziellen Lagern, in die die Frauen, Männer und Kinder verbracht worden sind, größtenteils um total überfüllte, vom Militär geführte bloße Verwahranstalten fern der Öffentlichkeit.

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