Papier, Stifte und Pfützen

Wahid, athnan, thlath… eins, zwei, drei und los gehts…. Ein paar Brocken Arabisch können wir in Gesprächen zwischen Flüchtenden und Helfenden aufschnappen, einige Vokabeln lernen wir aus Wörterbüchern, doch überwiegend geschieht Kommunikation hier durch Gesten, Tonfall und Lächeln. Die meisten Erwachsenen können nur wenig oder sehr brüchiges Englisch. Manche sprechen Kurdisch, die meisten Arabisch. Am Besten verständigen können sich hier allerdings die Kinder. „My Friend, give me this!!“dazu ein fordernder, frecher Blick und eine ausgestreckte kleine Hand.  Obwohl viele der Kinder seit über fünf Jahren keine Schule mehr besucht haben,

„Papier, Stifte und Pfützen“ weiterlesen

Schuhe, Stapel und Kartons

Es sind die letzten Tage im September und morgens ist es inzwischen manchmal so kalt, dass wir zum Frühstück mehrere Schichten Kleidung übereinander tragen müssen, um nicht zu frieren. Die meisten Menschen in den Lagern laufen immer noch in Sandalen und kurzen Hosen herum. Im Gegensatz zu uns leben sie praktisch im Freien und haben keine Türen und Fenster, die sie schließen können um Privatsphäre aber auch um einen warmen Raum zu schaffen. Der Wind und der Regen kommen durch die kaputten Tore und das beschädigte Dach auch in die Halle. Ohnehin sind deshalb und wegen der fehlenden medizinischen Versorgung schon viele krank. Diese Menschen brauchen wärmende Kleidung, sonst wird es in den kommenden Monaten kaum aushaltbar sein.

„Schuhe, Stapel und Kartons“ weiterlesen

Lächeln, Regen

Camp-Koordinatorin für Kalochori und unsere Ansprechpartnerin gab un sam ersten Tag einen Einblick in ihre Arbeit und die aktuelle Lage im Lager
Diane gibt uns einen Einblick in ihre Arbeit und die aktuelle Lage im Lager – © Anne Isensee, 2016

Mit unterschiedlichen Erwartungen sind wir heute zum ersten Mal in das Lager in Kalochori gefahren, um uns erstmal einen Überblick verschaffen zu können. Es regnete. Zwar nicht in Strömen, doch genug, dass das Wasser durch die  provisorisch aufgespannten Schatten- & Regen-Einrichtungen auf die Zelte und den Boden tropft. Einige Zelte sah man schon von Weitem. Sie stehen vor der riesigen Lagerhalle auf dem Steinboden, weil der Patz in ihr nicht ausreicht. Wie zu erwarten war, reihen sich in der Halle die Zelte dicht an dicht. Hier ist es zwar etwas wärmer, doch selbst durch das Hallendach tropft der Regen an mehreren Stellen. Der Unterrichtsraum ist zu dieser Jahreszeit permanent unter Wasser, Kinder springen barfuß durch Pfützen, Schuhe und warme Kleidung sind rar und die an einigen Stellen eingetretenen Wände erzählen von Frustration, Ungeduld und Schmerz der Flüchtenden. Der Winter steht vor der Tür. Dazu kommt, dass die Flüchtenden kürzlich die Termine für die Beantragung ihrer Asylanträge bekommen haben: Viele müssen nur für dieses erste Gespräch länger als ein halbes Jahr warten.
Um die vielen Ideen und Träume der ehrenamtlichen Camp-Koordinatorin Diane in reale Projekte umzusetzen fehlt es vor allem an Freiwilligen, aber auch an Geldern. Diese werden immer weniger, unter anderem „weil die Medien nicht mehr darüber berichten“, erklärt uns Diane. Momentan leben 470 Menschen in dem Lager, davon sind 220 Kinder unter 15 Jahren. Es fühlt sich sehr richtig an hier zu sein, morgen geht es endlich los. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Tagen mehr zu berichten und dort anzupacken, wo alles nach Hilfe schreit!

Über das Nurture Project

Bereits während unserer ersten Reise nach Nordgriechenland Anfang Juni 2016 haben wir das Nurture Project International (NPI) kennengelernt und uns entschieden, die von uns gesammelten Spenden an diese NGO zu geben. Der Kontakt kam über das Orgabüro im Parkhotel in Polykastro zustande, dort haben wir uns auch an einem schönen Vormittag mit Emma, einer Mitarbeiterin des NPI, zusammengesetzt. Sie berichtete von der unglücklichen Lage ihrer Zielgruppe, den Frauen in den Lagern, die schwanger oder kürzlich Mütter geworden sind. Insbesondere Krankenschwestern und Hebammen werden dringend für freiwillige Mitarbeit in verschiedenen Lagern benötigt, auch in anderen Ländern. „Über das Nurture Project“ weiterlesen

Lebensbedingungen von Menschen auf der Flucht in Nordgriechenland

Wir von Potsdam-Konvoi sind vor einigen Wochen aus dem griechisch-mazedonischen Grenzgebiet zurückgekehrt. In den inoffiziellen Camps sowie in einigen Militärlagern haben wir die Flüchtenden vor Ort mit Nahrung, Kleidung und medizinischer Versorgung unterstützt. Die unwürdigen Lebensbedingungen haben uns sehr betroffen gemacht. Es handelt sich bei den offiziellen Lagern, in die die Frauen, Männer und Kinder verbracht worden sind, größtenteils um total überfüllte, vom Militär geführte bloße Verwahranstalten fern der Öffentlichkeit.

Es fehlt dort an allen Ecken und Enden, es gibt zu wenig Wasser und Nahrung, die Lager sind verdreckt, die Hallendecken oft undicht… Auch an der medizinischen Grundversorgung mangelt es: bloße Notfallversorgung ist angesagt. An eine Behandlung von Ängsten und Traumata ist gar nicht zu denken, diese werden durch die Ausweglosigkeit eher noch verstärkt. Das Gefühl während des trostlosen Wartens wertlos und vergessen zu sein ist in den Lagern greifbar. Schon während eines Aufenthaltes im SOFTEX-Lager im Industriegebiet von Thessaloniki, kam uns der Satz eines syrischen Familienvaters zu Ohren „Wo wir herkamen wären wir schnell gestorben, hier sterben wir langsam.“ Seit dem 2. August sind Menschen nicht nur in dieser Unterkunft im Hungerstreik.

Tagesration pro Bewohner*in im Militärlager SOFTEX

Besonders schwierig ist die Situation für Schwangere, Mütter und Babys. Von ihnen leben überdurchschnittlich viele in den Camps, vermutlich weil sie die Beschwernisse der Weiterflucht nicht auf sich nehmen können. Hier herrschen unzureichende hygienische Bedingungen, es gibt nur kaltes Wasser, Staub, Mücken, keine frische Kleidung, kaum Privatsphäre und Ruhe sowie zu wenige und verschmutzte Sanitäranlagen. Beispielsweise gibt es im Camp in Cherso nahe Polykastro lediglich 8 Dixi-Toiletten auf 2200 Bewohner*innen. In diesen Wochen und Monaten kommt tagsüber eine unerträgliche Hitze dazu, aber nachts kann es kalt werden.